„Wäldchen als Schutz vor Feinstaub“

Darmstädter Echo vom 7.7.2005
Akaziengarten: Anwohner organisieren sich im Verein, um weitere Bebauung zu verhindern

Die Bewohner des kleinen Viertels rund um die Schepp Allee kämpfen nun in einem Verein dagegen, dass der Akaziengarten weiter bebaut wird. Bisher engagierten sie sich als Bürgerinitiative. „Pro Akaziengarten“ hat sich dreierlei auf die Fahnen geschrieben: über die Geschichte des wenig bekannten Parks zu informieren, sich für die Erhaltung seines Erholungswerts einzusetzen und deshalb – das wichtigste Ziel – die Vermarktung nach Plänen des „Hessischen Immobilienmanagements“ zu verhindern.

Dieses Tochterunternehmen des Landes will die vorhandene Randbebauung des Parks im Westen und im Osten durch eine Reihe so genannter Stadtvillen ergänzen. Derzeit entsteht im Westen ein Komplex mit Studentenwohnungen des Bauvereins. Als Erfolg des Protests wertet der Vereinsvorsitzende, Joachim Scharrmann, dass die Zahl der ursprünglich geplanten Villen schon halbiert wurde; nun sei noch die Rede von „fünf oder sieben“.

Doch auch dies lehnt der Verein ab. Im Westen würde dies die Zerstörung eines Wäldchens mit bis zu 150 Jahre alten Bäumen bedeuten; die Hälfte davon habe einen Stammumfang von mehr als fünfzig Zentimeter, hat Mascha Wembacher ausgemessen. Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Feinstaubdiskussion werde die Bedeutung des Wäldchens als Schutz vor viel befahrenen Straßen – Haardtring, Eschollbrücker Straße – deutlich. Ein Baum könne pro Jahr eine Tonne Feinstaub aus der Luft filtern.

Im Osten dagegen hat sich um den Fliederberg dichte Wildnis und Gestrüpp ausgebreitet. Die wiederum sei Heimat von mehr als dreißig Tierarten, vor allem Vögeln. Zudem hätten die Kinder des Quartiers dort herrliche Spielmöglichkeiten. Zusätzliche Häuser brächten im übrigen zusätzliche Bewohner; so werde der „Nutzungsdruck“ auch auf den von Bebauung nicht beanspruchten Kern des Parks steigen.

Der Akaziengarten breitet sich westlich des Arbeitsamts aus. Er entstand zwischen 1811 und 1817 im Besitz von Erbprinzessin Wilhelmine. Zeitweilig gab es eine großherzogliche Seidenraupenzucht; von ihr blieben Maulbeerbäume übrig. 1914 wurden Lazarettgebäude errichtet; sie dienen heute dem Landesrechnungshof und als Wohnhäuser.

In einem vor dreißig Jahren abgebrochenen Gebäude befand sich eine Chemotechnische Ingenieurschule. Der Verein hat den Abbruchunternehmer von damals ausfindig gemacht; der erzählte, man habe damals alles „inklusive der Chemikalien in den Keller geschüttet“. Vereinsmitglieder erinnern sich zudem an Bunker und unterirdische Gänge, wo „wir als Kinder gespielt und noch Munition gefunden“. Anwohner konnten ein vom Hessischen Immobilienmanagement in Auftrag gegebenes Gutachten einsehen; darin habe gestanden, „dass eine Bebauung aufgrund der Belastung erhebliche Risiken birgt“.

Enttäuscht sind die Vereinsmitglieder, dass sie beim Magistrat und bei den Fraktionen im Stadtparlament nach eigener Aussage auf kein Verständnis stoßen. „Wir müssen eine Grünfläche vor den Grünen schützen, das ist verrückt“, sagte Scharrmann. Dennoch wolle man bei der bevorstehenden Aufstellung des Bebauungsplans unverdrossen Einfluss nehmen. „Denn das hier ist eine Oase“, wie ein Anwohner rief – „andere Städte geben viel Geld aus, um so etwas zu schaffen“.

Klaus Honold